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Linux auf einem alten SHARP PC9090 Notebook
Suse-Linux 8 auf SHARP PC9090 Notebook
Ich habe bei Ebay für eine Handvoll Euro ein SHARP PC9090-Notebook erstanden. Das Modell stammt aus dem Jahr 1996 - hatte zum Kaufzeitpunkt also bereits stattliche 11 Jahre auf dem Buckel.

Abb. 1: Zu seiner Zeit eine Zierde seiner klasse: SHARP PC-9090
Auf dem Notebook sollte Linux laufen. Nach ersten Experimenten entschied ich mich gegen eine der speziell auf alte Hardware zugeschnittene Linux-Varianten (im Test hatte ich DeliLinux und Damn Small Linux) und für eine ältere Ausgabe einer „großen“ Distribution, die ich noch im Keller liegen hatte: Suse-Linux 8 (Prof.).
Meine Hardwareausstattung
Das Notebook verfügt über:
Installationshürden
Die erste Installationshürde ist das Erstellen von Bootdisketten. Wenn man wie ich einen (Haupt-)Rechner besitzt, der über gar kein Floppy-Laufwerk mehr verfügt, wird man sich schwer tun, den PC-9090 zum Booten zu bewegen: er unterstützt nicht das Booten direkt von CD.
Für Suse-Linux 8 sind vier Disketten zu erstellen, die notwendigen Floppy-Images finden sich auf CD Nr. 1 im Ordner „boot“. Es liegt auch mit rawrite.exe das nötige Kommandozeilen-Tool für DOS/Windows bei.
Ich selbst habe die Disketten unter einem Linux-PC mit diesem Befehl erstellt:
dd if=image.name of=/dev/fd0
Mit diesen vier Floppies gelingt der Start problemlos und man landet nach den üblichen Startmeldungen im Installationsprogramm Yast. Dieses startet jedoch nicht im Grafikmodus, so dass es bequem mit der Maus bedienbar wäre, sondern im Textmodus.
Wenn man sich konsequent daran hält, dass man zu den gewünschten Menu-Punkten mittels der Tastenkombination „ALT“+Buchstabe gelangt, kann man es problemlos bedienen.
Mein erster Installationsversuch scheiterte kläglich mit der Meldung, dass der Bootmanager nicht geschrieben werden könne, dies betraf sowohl den Bootmanager grub als auch lilo.
Um dieses Verhalten abzustellen, sind unbedingt im Phoenix-BIOS unter „Advanced“ des Notebooks einige Einstellungen vorzunehmen. Und zwar sollte man bei der Festplatte unbedingt bei Large Disk Access Mode: other einstellen. Auch sollte man auf der gleichen Einstellungsseite bei „Plug & Play OS“: No einstellen.
Jedenfalls lief mit diesem Einstellungen die Installation bis zum Schreiben des Bootsektors glatt durch.
Ich habe die Festplatte manuell eingeteilt: eine einzige Partition (3,45 GB) genügte mir, von dem Rest habe ich dann 450 MB als Swap-Space gebucht.
Als Installationsvariante habe ich „minimale Installation mit Grafik“ gewählt. Es wird so ein X-Server installiert und standardmäßig Windowmaker als Windowsmanager installiert. Von einer „Standardinstallation“ (v.a. KDE oder auch Gnome) würde ich mangels RAM absehen. Die installierten 56 MB sind nämlich der Maximalspeicherausbau des Rechners: mehr geht nicht.
Abb 2: Yast im Textmodus
Gelangt man bei Yast zum Einstellen des Bildschirms, ist man vielleicht versucht angesichts der Panelgröße als Auflösung 800×600 einzustellen. Tatsächlich kann das TFT-Display jedoch 1024×756 Bildpunkte darstellen. Ich habe als maximale Farbtiefe 15Bit eingestellt, das schafft die Grafik bei 60 Hz Bild-Wiederholfrequenz so gerade noch. Das LCD bringt damit ein für das Alter des Gerätes gutes Bild.
Nacharbeiten
Nach dem ersten Booten (zuvor wurden Passwörter vergeben, das Netzwerk eingestellt usw.) kann man die Softwareauswahl noch einmal anpassen. Die „minimale Installation mit Grafik“ schaufelt knapp 500 MB auf die Festplatte, so dass man jetzt noch einmal Yast aufrufen und nachinstallieren kann. Interessanterweise klappt unter Windowmaker der Aufruf des grafischen Yast ohne Probleme, so dass man ab hier bequem mit der Maus arbeiten kann. Das Einlesen der Paketquellen dauert auf dem PC-9090 ebenso wie das Auflösen von Abhängigkeiten der einzelnen Pakete entsprechend lang.
Der Sound funktioniert derzeit (noch) nicht, für Yast ist kein Soundchip vorhanden, was natürlich die entsprechenden Line-In und -Out Anschlüsse sowie die eingebauten Lautsprecher Lügen strafen.
Der Infrarot-Port bleibt derzeit mangels Bedarf ungetestet.
Abb. 2: Yast funktioniert dann doch im Grafikmodus
Ich habe neben Windowmaker vor allem alternative, schlanke Windowmanager ausgewählt, z.B. icewm, der sich auch auf den CDs befindet. Man sollte sich davor hüten, KDE-Software zu installieren. Es gibt genug X11-Apps für alle möglichen Zwecke. Außerdem kann man natürlich auch immer Konsolenwerkzeuge auswählen.
Hier ein kleiner Ausschnitt meiner Softwareauswahl:
- Windowmanager: Windowmaker bzw. icewm
- Browser: Opera 5
- Email: sylpheed
- Office: SiagOffice
- Konsole: mc, mutt, joe, links, w3m, mirror, wget …
Damit wäre ein kleiner Arbeitsplatz für mich komplett. Der Rest an Software ist eigentlich Geschmacksache, bzw. natürlich an den Bedürfnissen des einzelnen Nutzers orientiert.
Fazit
Lohnt sich überhaupt die Mühe, Linux auf so einem alten Notebook zu installieren?
Eine rhetorische Frage! Natürlich - man denke nur an die Alternativen…
Debian Etch auf SHARP PC9090 Notebook
Mittlerweile habe ich Suse-Linux zugunsten von Debian Etch vom Notebook heruntergeworfen. Dabei ging es mir nicht darum, dass ich keine alte Distribution und keine alten Anwendungen nutzen wollte. Vielmehr waren meine Motive diese:
- Ich wollte Fluxbox als Window-Manager
- Meine PCMCIA-Netzwerkkarte sollte laufen, damit ich mit dem Sharp PC-9090 ins Internet kann
- Sound sollte funktionieren
- Die Installation sollte schlanker werden
Abb.4 : Das SHARP PC-9090 installiert Debian-Pakete
Installation
Die Installation beginnt wieder damit, sich entsprechende Boot-Floppys zu besorgen. Bei Debian Etch benötigt man 5 Disketten-Images, die man hier herunterladen kann: http://ftp.de.debian.org/debian/dists/etch/main/installer-i386/current//images/
Außerdem ist es hilfreich, sich die Netinstall-CD von Etch zu besorgen; damit kann ein Basis-System aufgesetzt werden, das sich dann im Laufe der Installation weitere Pakete bei Bedarf aus dem Netz holt. Alternativ kann man sich natürlich auch einen Satz CDs auf debian.de herunterladen. Das ist aber Ressourcen-Verschwendung, weil da natürlich eine Menge Anwendungen dabei sind, die nie auf dem altersschwachen PC-9090 laufen werden. Man kann aber auch nur die Disketten-Images verwenden und dann alle benötigten Pakete direkt aus dem Netz ziehen.
Um dann die Floppy-Disk-Images auf die Floppys zu schreiben, legt man jeweils eine unbeschädigte, leere Floppy in das Laufwerk ein. Dann diesen Befehl in einer Shell absetzen:
$ dd if=filename of=/dev/fd0 bs=1024 conv=sync ; sync
Ich hatte zuerst versucht, die Disketten-Images ohne die mitanzugebenden Parameter zu schreiben. Das funktioniert zwar, startet allerdings nicht den Debian-Installer, sondern bricht mit einer Kernel-Panic ab, weil die Root-Partition nicht gefunden wird. Also am besten den dd-Befehl genauso eingeben, wie oben beschrieben.
Während der Installation wird nun automatisch PCMCIA erkannt und richtig aktiviert, so dass auch meine Netzwerkkarte funktionierte. Damit steht einem die ganze weite Welt der Debian-Software zur Verfügung.
Meine Software-Auswahl entspricht der oben bei Suse angegebenen - ich bin halt ein Gewohnheits-Tier
Trotzdem ist mein Debian-System auf dem Notebook nun immerhin um 400MB schlanker, Suse genehmigte sich satte 1000 MB Plattenplatz für meine paar Anwendungen.
Einziger Wermutstropfen: SiagOffice - bei Suse noch dabei - gibt es für Debian Etch nicht.
Links
Appetit auf Debian machte mir: http://noone.org/vintage/wiederbelebungsversuche-debianday-lt2006.web.html





